Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn der Medienrummel groß genug ist, können selbst überwiegend negative Kritiken den Erfolg nicht mehr aufhalten. So geschehen bei
The Cell. Obwohl viele Film-Rezensenten diesen visuell effektvollen Psycho-Thriller primär als "enttäuschend" bewerteten und ihm das Fazit "mehr Schein als Sein" verliehen, war er in seinem amerikanischen Herkunftsland auf Anhieb ein Kassenknüller. Das lag sicherlich auch an dem Hype um Hauptdarstellerin Jennifer Lopez. Eigentlich erstaunlich, denn gerade ihr schauspielerisches Talent wurde als "nicht überzeugend" eingestuft. Einhelliges Lob gab es indes für den Score. Dieser stammt schließlich von einem renommierten Fachmann des Schocker-Genres: Howard Shore!
Der gebürtige Kanadier hat als Referenzen die Vertonung unter anderem von Das Schweigen der Lämmer, Dogma, Sieben sowie bislang neun David-Cronenberg-Produktionen (u.a. Die Fliege, Crash, eXistenZ) vorzuweisen. Diesmal musste Howard Shore eine Story, in der eine Psychotherapeutin in das Bewusstsein eines Serienkillers eintaucht, musikalisch untermalen. Klare Vorgaben für den versierten Saxophonisten/Flötisten/Keyboarder, der zwischen 1969 und '72 mit der Bigband Lighthouse sieben Alben voller Jazzrock im Stil der artverwandten Chicago aufgenommen hatte.
Während ihre vierte (gleichnamige) LP mit dem Hit "One Fine Morning" einen Gute-Laune-Garanten enthält, sorgt Shore auf der The Cell-CD für Gruseln. Unheimlich und verstörend klingen seine Instrumentals, die er mit den -- sporadisch um die marokkanische Folklore-Truppe Master Musicians Of Jajouka erweiterten Londoner Philharmonikern eingespielt hat. Herausgekommen sind orchestrale Werke, die mal aufwühlend, laut, treibend, bisweilen gar dissonant, schrill sind, um im nächsten Moment in das Ruhige, Symphonische, aber Unheilschwangere umzuschlagen. Was zweifelsohne eine eindrucksvolle Sound-Illustration von der Zerrissenheit des kranken Geistes eines Psychopathen ist, erfordert beim Zuhörer allerdings ebenso starke Nerven wie uneingeschränkte Aufmerksamkeit und stellt -- abgesehen vom "Radio Edit" des arabisch getönten, percussiven Bonus Tracks -- rund 60 Minuten lang keine leichte Kost dar! --Thomas Hammerl